Making Of: Digitales Portrait von Charlie Sheen

Making Of: Digitales Portrait von Charlie Sheen

16. März 2019 Digital Painting Making Of 0

»Warum zeichnest du denn ausgerechnet Charlie Sheen?!«

Um ehrlich zu sein, assoziiere ich diesen Mann bis heute mit einer Machete. Nicht etwa, weil er im zweiten Teil des gleichnamigen Films einen formidablen Präsidenten abgegeben hat (hat er!). Sondern weil diese Fotos von ihm auf dem Dach mit einer Machete in der Hand nach dem Two and a half men-Debakel sich in meinem Kopf eingebrannt haben wie die Reifenspuren eines Monster Trucks. Man kann zu dem Mann stehen wie man will: Unterhaltsam ist er. Und ich habe ein ziemliches Faible für Freaks.

Ergo wurde er zum Testobjekt für das Experiment mit dem Titel: »Kannst du auch Menschen?«

Den Entstehungsprozess des Digital Paintings zeige ich dir hier.

Schritt 1: Outlines / Die Skizze

Ich starte immer mit mehr oder minder chaotischen Linien, die mir den Weg weisen sollen. Das mache ich vorzugsweise über das Einblenden von Hilfslinien in Photoshop – beispielsweise horizontal und vertikal bei 25, 50 und 75% auf Referenzbild und Zeichenfläche. Mit den entstehenden Rechtecken ist das Treffen der Proportionen beim digitalen Portraitieren beinahe narrensicher. (Wer sich trotzdem schwer tut, kann natürlich auch cheaten und das Referenzbild in verminderter Deckkraft in den Hintergrund der Zeichenfläche legen.)

Outlines

Komm, ich zeig dir ’n richtigen Hasen! – Die Outlines sehen gern etwas creepy aus…

Schritt 2: Blocking In / Farbstudie

In diesem Schritt gucke ich, wo im Groben welche Farbe verwendet wird. Ich starte mit sehr großen Blöcken einer Farbe und setze dann bereits schon helle und dunkle Schattierungen, bis ein solches Mosaik entsteht:

Halleluja, wir haben ein menschliches Wesen! Oder so etwas Ähnliches.

Das Ergebnis sieht immer erst mal so aus als hätte ein Grundschulkind Microsofort Paint vergewaltigt. Ich arbeite trotzdem sehr gerne so: Nach diesem Schritt kann ich die Vorlage nämlich schon häufig ausblenden und mich voll auf meine eigene Interpretation des Motivs stürzen.

Schritt 3: Blending und Modellieren

Ab jetzt wird’s richtig spaßig: Die unschönen Farbblöcke werden ineinander geblendet, Übergänge werden geschaffen, Schatten und Lichtpunkte nachgezeichnet und so das Gesicht mehr und mehr modelliert. Fühlt sich für mich immer ein bisschen an als würde man mit Ton arbeiten, weil der Eindruck der Dreidimensionalität sich hier fortwährend entwickelt. Spätestens jetzt ist Charlie schon ganz gut identifizierbar, oder?

Noch nicht perfekt, aber kein bloßer Pixelbrei mehr!

Schritt 4: Der Feinschliff

Tatsächlich hätte mein altes, faules Ich nach Schritt 3 wohl das Tablet an den Nagel gehängt. Aber Geduld lohnt sich: Jetzt werden nämlich noch ein paar Details gesetzt, Bartstoppeln angedeutet und ein einheitlicherer Look geschaffen. Die Unterschiede zum vorherigen Schritt sind auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar, aber je detaillierter man arbeitet, desto realistischer wirkt das Endergebnis schließlich auf den Betrachter.

Einzelne Details, Highlights, Hintergrund – fertig!

Das war’s! In der Summe hat Charlie mich gut 12 Stunden Lebenszeit gekostet, wobei Schritt 3 und 4 natürlich den Löwenanteil ausgemacht haben.

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